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El Niño nimmt großen Anlauf

[09.09.2026]

Wie bereits vielfach in den Medien zu hören war, baut sich derzeit im Ost­pazifik ein Super-El Niño auf. Was hat es damit genau auf sich und wie ist das ein­zu­ordnen? Mit welchen Ver­ände­rungen müssen wir rechnen?


Der letzte El Niño trat 2023/2024 auf. Ab April 2023 wechselte der ENSO-Index in den positiven Bereich, nachdem er fast drei Jahre im Negativen lag. Es war abzusehen, dass darauf ein El Niño folgen würde. Im August 2024 war die Warmphase im Ostpazifik wieder abgeklungen und der Index schwenkte ins Minus.


Im Folgejahr 2025 trat nur im März ein leicht positiver Wert auf. Danach gingen die Werte wieder zurück. Wie schon zur Jahreswende 2024/2025 bildete sich auch zur folgenden Jahreswende 2025/2026 eine kleine schwache La Niña aus.


Anfang 2026 erwärmte sich der äquatoriale Bereich des Ostpazifiks nur langsam bis in den neutralen Bereich, doch dann stiegen die Temperaturen rasant an. Zu dieser Jahreszeit ein typisches Zeichen für einen aufziehenden El Niño. Nachdem im Mai bereits die Temperaturen 1°C über den klimatischen Mittelwerten lag und im Juni auf ein Plus von 1,6°C anstiegen, war klar, dass sich der nächste El Niño ausbildete.


Der Zeitpunkt des Anstiegs war dabei völlig normal. Doch die Stärke des Anstiegs war ungewöhnlich und führte im Juli zu einem Plus von 2,03°C. Im August wurde schließlich mit 2,53°C eine positive Abweichung erreicht, die deutlich über dem Höchstwert des letzten El Niños vor knapp drei Jahren lag. Das Maximum wird aber meist erst zwischen November und Januar erreicht.


Es spricht nichts dagegen, dass auch bei der jetzigen Warmphase die höchsten Werte zur Jahreswende auftreten werden. Dabei könnte es jedoch passieren, dass ein Wert von mehr als 3°C erreicht wird. Der El Niño von 2015/2016 erreichte einen Höchstwert von 2,77°C und war damit der bisher stärkste seiner Art seit 1950.



Abb. 1: El Niño 2026/2027 nimmt Anlauf.


Der aufziehende El Niño 2026/2027 könnte daher erneut der Stärkste seit 1950 werden. Wie weit sich dabei der betreffende Bereich im Ostpazifik erwärmen wird, bleibt abzuwarten. Sehr wahrscheinlich wird das Maximum zwischen 3 und 3,5°C liegen.


Was bedeutet ein solch starker El Niño? Dass sich die typischen weltweiten Folgen stärker ausprägen als sonst, ist nicht unbedingt gesagt. Aber sie werden kommen und zumindest länger wirken. Denn die Phase der hohen Temperaturen im Ostpazifik hat früher begonnen und könnte daher auch länger als üblich andauern.


Wie die Vergangenheit gezeigt hat, bewirkt ein El Niño in den Folgejahren eine weltweite Erwärmung. Zwar kann eine nachfolgende La Niña kurzfristig für eine Abkühlung sorgen, doch langfristig pendeln sich die Werte auf einem höheren Niveau ein. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir jedoch nur abwarten, wie sich die globalen Temperaturen entwickeln.


Redaktion meteo.plus