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Juni deutlich zu heiß

[04.07.2019]

Der Juni hat einen viel zu heißen Start für den diesjährigen Sommer in Deutschland hingelegt. Er war etwas besonderes, wird aber die landwirt­schaftliche Situation nicht verbessern.


Auf einen Mai, der je nach Region 1,2 bis 2,5°C zu kalt war, folgte zuletzt ein Juni, der deutlich zu warm ausfiel. In den östlichen Bundesländern wurden Abweichungen von 4 bis 5,4°C gemessen, wobei Berlin und Brandenburg zu den Spitzenreitern gehörten. In Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg lagen mit 3,1°C die Abweichungen am niedrigsten. Ansonsten war es in der Mitte und im Westen meist 3,3 bis 3,7°C zu warm.


Obwohl in der westlichen Hälfte geringere Abweichungen auftraten, fiel diese Region trockener aus. In Schleswig-Holstein fehlten 6,4 Liter Wasser pro Quadratmeter, im Westen 30 bis 40 Liter. In Bayern wurde das Regensoll am stärksten unterboten: Rund 48 Liter gab es dort pro Quadratmeter weniger als üblich. Auch in Thüringen und Sachsen gab es 14 bis 24 Liter weniger, doch in der Region von Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern wurde das Soll um 1,5 bis fast 6 Liter leicht übertroffen.


Damit fiel der Osten feuchter aber auch deutlich wärmer als üblich aus. Die Mitte und der Westen waren wärmer und deutlich trockener. Schuld an diesen Unterschieden waren oftmals Luftmassengrenzen, die eine Zweiteilung des Wetters hervorbrachten.


Für die Landwirtschaft bedeutete der Juni oft eine Verschlechterung der schon kritischen Situation. Für Sonnenhungrige war der erste Sommermonat hingegen perfekt. Verbreitet gab es 100 Stunden mehr Sonnenschein als üblich. Mit 85 bis 90 Stunden hatte hierbei der Südwesten eher das Nachsehen. Von Sachsen bis Berlin konnten die Sonnenanbeter profitieren. Ein Plus von 132 bis 135 Stunden wurde dort verzeichnet. In Schleswig-Holstein wurden nur 59 Stunden mehr als im klimatischen Durchschnitt registriert.


Deutschlandweit fiel der Juni deutlich zu warm aus. Die Durchschnittstemperatur erreichte mit 19,8°C fast die 20°C-Marke. Damit wurde der Juni zum wärmsten seiner Art seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahre 1880. Der zweitwärmste Juni, der nun vom Thron gestürzt wurde, trat 2003 mit 19,4°C auf. Auf den dritten Platz gefallen ist der lange zurückliegende Juni 1917, der mit 18,8°C schon einmal sehr warm ausgefallen war. Der Viertplatzierte ist nun der noch ältere Juni 1889. Er erreichte damals eine deutschlandweite Durchschnittstemperatur von 18,6°C.


Es gab zwar verbreitet wenig Regen, doch im Durchschnitt fehlten nur etwas mehr als 20 Liter pro Quadratmeter. Damit lag er nur wenig unter dem Mittelwert. Sonnenschein hingegen gab es in weiten Teilen Mitteleuropas deutlich mehr als üblich. In Deutschland lag der Mittelwert bei über 300 Stunden. Er war damit der sonnenreichste Juni seit den kontinuierlichen Messungen, die 1951 begannen. Auf der Rangliste folgen 1976, 2003 und 1970.


Grund für den besonders sonnenreichen Juni war die Arktische Oszillation, die im vergangenen Monat fast durchweg im negativen Bereich lag und damit Kaltluft weit nach Süden vordringen ließ. Daraus resultierte eine lang anhaltende Omega-Wetterlage, die weiten Teilen Mitteleuropas wolkenfreien Himmel bescherte. Durch deutlich mehr Sonnenschein stiegen die Temperaturen höher als üblich an. Aber auch heiße Luft aus dem Mittelmeerraum und der Sahara wurden durch diese Wetterlage zu uns transportiert.


Wie wird es nun im Juli weitergehen? Die Arktische Oszillation liegt weiterhin im negativen Bereich und könnte damit die Situation fortführen. Dabei kommt es aber auch darauf an, wie stark und auch wo sich der Jetstream weit nach Süden verlagert. Denn dies hat Auswirkungen darauf, welche Regionen von der Kaltluft betroffen sein werden und welche nicht. Die Omega-Wetterlage könnte sich auch weiter westlich oder östlich positionieren. In beiden Fällen würde das Wetter bei uns in Mitteleuropa wechselhafter ausfallen.


Redaktion meteo.plus